Am 9. April 2011 trafen sich über 300 Ärzte, Heilpraktiker, Ernährungsfachleute und andere Interessierte und Engagierte in der Charite in Berlin zum
„Vitamin D – Update 2011“
unter der Leitung von Prof. Spitz (Wiesbaden) und Prof Reichrath (Homburg/Saar).
Eingeladen hatte die deutsche Stiftung für Gesundheitsinformation und Prävention. Dazu waren auch die Vorreiter der Vitamin D Forschung aus den USA angereist. Die weltweit intensive Forschung bringt immer neue Erkenntnisse.
So ist der Zusammenhang des Vitamin D-Spiegels mit Häufigkeit und Schwere vieler chronischer Erkrankungen offensichtlich.
Nicht nur Osteoporose und Rachitis, sondern auch Krebs,Herzinfarkt, Autoimmunerkrankungen, Infektionsanfälligkeit, Multiple Sklerose, Depressionen und eine sehr lange Liste weiterer Erkrankungen hängen mit dem Vitamin D-Spiegel ganz eindeutig zusammen.
Am Ende des hervorragend bewerteten Kongresses stand aufgrund der Datenlage ein Statement der internationalen Experten.
6-Punkte-Papier als Fazit der Vitamin D-Konferenz am 9. April 2011
- Vitamin D ist die Vorstufe eines in fast allen Körperzellen benötigten Steroidhormons (Calcitriol). Es kann von den Menschen selbst mithilfe der UVB-Strahlen der Sonne in der Haut hergestellt werden. Es wird zwingend für die korrekte Funktion zahlreicher Organe und nicht nur für den Knochenstoffwechsel benötigt.
- Es besteht ein weltweiter Mangel an Vitamin D, der vorwiegend ausgelöst wird durch die Veränderungen des Lebensstils infolge des technischen Fortschritts. Zusätzlich resultiert in Verbindung mit der Angst vor Hautkrebs ein zu geringer Aufenthalt in der Sonne. Jenseits des 40. Breitengrades (damit auch in Mittel/Nord-Europa, einschließlich Deutschland, sowie in den Neu-England-Staaten der USA und in Kanada) sind die Menschen insbesondere in den Wintermonaten ungenügend mit Vitamin D versorgt, da dort in diesem Zeitraum aufgrund des flachen Einstrahlwinkels der Sonne keine ausreichende UVB-Strahlung zur Vitamin D-Bildung in der Haut die Atmosphäre passieren kann.
- Eine Fülle von wissenschaftlichen Untersuchungen in den vergangenen 20 Jahren weist darauf hin, dass ein Mangel an Vitamin D wahrscheinlich fast alle chronischen Krankheiten fördert, darunter: Diabetes, Krebs, Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen, Nervenerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Infektionskrankheiten und Allergien. Die Unterzeichner fordern daher dringend eine Intensivierung der Forschungsarbeit über Vitamin D in den verschiedensten Fachdisziplinen.
- Die derzeitigen Regelungen zur Versorgung der Bevölkerung werden dem Vitamin-D-Mangel nicht gerecht. Daher ist es erforderlich, die Empfehlungen zur natürlichen und künstlichen Sonnenexposition zu überarbeiten; so sollte möglichst mittags bei Sonnenhöchststand, gezielt eine große Hautoberfläche (häufig exponierte Stellen dabei schützen) von Frühling bis Herbst an mehr als drei Tagen pro Woche für max. 20 Minuten (Hauttyp beachten!) ausgesetzt werden. Bei weiterer Exposition ist die Haut mit Kleidung oder Sonnencreme zu schützen. Sonnenbrände sind in jedem Fall zu vermeiden!
- Ferner ist die derzeitig verbindliche Empfehlung für eine Zufuhr von 200 IE Vitamin D pro Tag als Ausgleich für die fehlende Sonnenexposition absolut unzureichend.
- Eine Verabreichung von 1000-2000 IE täglich (bzw. 7.000 – 14.000 IE /Woche je nach Lebensalter und Körpergewicht) ist insbesondere in den Wintermonaten wünschenswert.
- Dabei sollte ein Spiegel mindestens 20 ng/ml im Blut erreicht werden. Amerikanische Wissenschaftler empfehlen sogar einen Zielbereich von 40-60ng/ml, wozu in einer großen Studie bis zu 10000 IE tgl. benötigt wurden.
- Das amerikanische Institut für Medizin (IOM) gibt als Obergrenze für eine gefahrlose, dauerhafte tägliche Zufuhr 4.000 IE an.
- Für Kinder ist eine tägliche Zufuhr von 50 IE pro Kg Körpergewicht anzustreben.
- Stillende Mütter benötigen 6000 IE pro Tag.
- Die Wissenschaftler fordern die Fachgesellschaften und die Öffentlichkeit auf, diese Erkenntnisse in die entsprechenden Empfehlungen umzusetzen.
Dem kann ich nur noch ein anfügen: Die medizinische und pharmazeutische Forschung sollte sich nicht auf immer abenteuerlicheren und kostspieligeren Therapiewegen verlieren. Die Lösung der Probleme unseres Gesundheitswesens liegt mit größter Sicherheit weder in der Genmanipulation, der Stammzellforschung oder immer neueren Pharmaka. Die Lösung liegt nicht hinter den „sieben Bergen“ sondern eher vor unseren Augen.
Deshalb fällt es vielen so schwer, zu erkennen, dass eine billige (bzw. kostenlose, wenn durch die Sonne gebildet), nebenwirkungsfreie, nicht patentierbare natürliche Substanz die Lösung vieler Probleme darstellt.
Dr. Claus Daumann